Die Auswahl eines Getriebes für Kran- und Hebesysteme endet nicht mit der Ermittlung des Drehmoments zum Heben der Last. Eine Hebemaschine startet und stoppt täglich hunderte Male, hält Lasten in der Schwebe und arbeitet häufig unter Volllast in Gegenrichtung. Daher sind bei der Auswahl drei Faktoren entscheidend: das erforderliche Abtriebsdrehmoment, der zur Einsatzklasse passende Betriebsfaktor sowie Brems- und Sperreinrichtungen, die die Last im Stillstand sicher halten können.
In der Praxis beginnt die Berechnung mit der zu hebenden Last, dem Trommeldurchmesser, der Hubgeschwindigkeit und der Seilführung. Aus diesen Daten ergeben sich Abtriebsdrehzahl und Drehmoment; darauf bauen Motorleistung und Übersetzungsverhältnis auf. Bei Fahrwerks- und Katzfahrbewegungen ist die Situation anders, denn dort sind nicht das Lastgewicht, sondern Rollwiderstand der Räder, Windlast und Beschleunigungskraft maßgeblich.
Die Folgen einer falschen Auswahl sind meist teurer als das Getriebe selbst. Ein unterdimensioniertes Getriebe kann innerhalb von sechs Monaten Zahnradverschleiß und Lagerschäden entwickeln, während ein überdimensioniertes Gerät unnötige Investitionskosten und zusätzlichen Energieverbrauch verursacht. Im Folgenden behandeln wir der Reihe nach die praxisrelevanten Kriterien, mit denen sich dieses Gleichgewicht richtig einstellen lässt.
Teilen Sie uns Tragfähigkeit, Hubgeschwindigkeit und Einsatzklasse mit; wir berechnen für Hubwerk, Fahrwerk und Katzfahrt den passenden Getriebetyp und das geeignete Übersetzungsverhältnis.
Die Tatsächliche Aufgabe des Getriebes in Kransystemen

In Hebemaschinen wandelt das Getriebe die hochdrehende, drehmomentarme Bewegung des Motors in die für Trommel oder Rad erforderliche niedrige Drehzahl mit hohem Drehmoment um. Ohne diese Umwandlung wäre die Motorleistung zum Heben einer Last von einer Tonne wirtschaftlich nicht sinnvoll realisierbar.
Im Kran ist das Getriebe jedoch zugleich ein Sicherheitselement. Während die Last in der Schwebe hängt, wird das Getriebe zusammen mit der Bremse und gegebenenfalls einer Rücklaufsperre zu einem Glied der Lastsicherungskette. Deshalb werden Kran Getriebe mit einer höheren Sicherheitsreserve dimensioniert als Fördergetriebe mit gleichem Drehmoment.
Die dritte Aufgabe ist die Bewegungssteuerung. Sanftes Anheben, präzise Positionierung und stoßfreies Abbremsen hängen von der Steifigkeit und dem Verdrehspiel des Getriebes ab. Besonders in Anlagen mit präzisen Ladeprozessen beeinflusst dieses Verhalten direkt die Arbeitsgeschwindigkeit des Bedieners.
Heben, Kranfahrt und Katzfahrt Benötigen Nicht Dasselbe Getriebe
Ein Brückenkran hat drei getrennte Bewegungen, die jeweils einen anderen Lastcharakter aufweisen. Das Hubwerk arbeitet überwiegend unter Volllast und in einer Richtung; hier stehen hohe Drehmomentkapazität und gutes thermisches Verhalten im Vordergrund. Aufgrund ihrer kompakten Bauform und hohen Drehmomentdichte werden häufig Planetengetriebe oder verstärkte Stirnrad-/Schrägverzahnungsbauformen bevorzugt.
Bei der Kranfahrt wirkt die Last nicht wie beim Heben direkt auf das Getriebe. Maßgeblich sind hier der Rollwiderstand der Räder, die Masse der Brücke und die Trägheitskraft beim Beschleunigen. Deshalb sind in den meisten Fahranwendungen Schrägverzahnungsgetriebe ausreichend und bieten eine wirtschaftlichere Lösung.
Die Katzfahrt ist die am geringsten belastete, aber am häufigsten geschaltete Bewegung. Da sie über kurze Strecken ständig vor- und zurückfährt, sind Beständigkeit gegen häufiges Starten und Stoppen, geringes Spiel und präzises Anhalten wichtiger als die reine Drehmomentkapazität. Drei unterschiedliche Baureihen für drei Bewegungen am selben Kran sind daher kein Widerspruch, sondern eine bewusste Auslegung.
Die Richtige Reihenfolge bei der Berechnung von Drehmoment und Übersetzung

Die Berechnung beginnt immer auf der Abtriebsseite. Beim Heben wird das Drehmoment an der Trommelwelle aus Trommeldurchmesser und Seilführung ermittelt; Hubgeschwindigkeit und Trommeldurchmesser bestimmen zugleich die Trommeldrehzahl. Diese beiden Werte definieren eindeutig das vom Getriebe geforderte Abtriebsdrehmoment und die Abtriebsdrehzahl.
Der zweite Schritt ist das Übersetzungsverhältnis. Die Motordrehzahl geteilt durch die Abtriebsdrehzahl ergibt die theoretische Übersetzung; anschließend wird auf die nächstgelegene Standardübersetzung im Katalog gerundet. Danach muss die Hubgeschwindigkeit erneut geprüft werden, da bereits eine geringe Abweichung der Übersetzung im Einsatz zu einer spürbaren Geschwindigkeitsänderung führen kann.
Der dritte Schritt betrifft Wirkungsgrad und Sicherheit. Nach Berücksichtigung des Getriebewirkungsgrads wird die Motorleistung bestimmt und anschließend der zur Einsatzklasse passende Betriebsfaktor angewendet. Diesen Schritt zu überspringen und nur nach Katalogdrehmoment auszuwählen, gehört zu den häufigsten Fehlern bei Krananwendungen. Wer die Berechnungsschritte im Detail nachvollziehen möchte, findet auf unserer Seite Getriebeberechnung eine gute Ausgangsbasis.
Technische Kriterien, die bei der Auswahl Geprüft Werden Sollten

Wenn die folgenden Angaben bereits in der Angebotsphase vorliegen, lässt sich das richtige Getriebe in der Regel beim ersten Versuch bestimmen:
- Tragfähigkeit und Hakenlast: Neben der Nennlast muss auch der dynamische Lastanteil angegeben werden.
- Hubgeschwindigkeit und Trommeldurchmesser: Sie bilden die Grundlage für Abtriebsdrehzahl und Übersetzungsverhältnis.
- Einsatzklasse und tägliche Betriebsdauer: Davon hängt die korrekte Anwendung des Betriebsfaktors ab.
- Schalthäufigkeit: Die Anzahl der Starts und Stopps pro Stunde bestimmt Erwärmung und Ermüdungsverhalten.
- Montageart und Wellenabtrieb: Die Wahl zwischen Fuß-, Flansch- oder Aufsteckmontage muss eindeutig festgelegt sein.
- Bremsentyp und Bremsmoment: Der Bedarf an Motorbremse, Scheibenbremse oder zusätzlicher Sicherheitsbremse muss im Voraus definiert werden.
- Umgebungsbedingungen: Temperatur, Staub, Feuchtigkeit und Außeneinsatz beeinflussen Dichtungsausführung und Lackierklasse.
- Bauraumbeschränkung: Der verfügbare Bauraum in der Katze oder auf der Brücke beeinflusst unmittelbar die Wahl der Baureihe.
Auch wenn das Zusammenstellen dieser Informationen etwas Zeit kostet, ist es deutlich schneller als spätere Änderungen.
Einfluss von Einsatzklasse und Schalthäufigkeit
Bei der Auswahl eines Kran Getriebes ist die Einsatzklasse nach dem Drehmoment der wichtigste Parameter. Ein Wartungskran, der nur wenige Male am Tag eingesetzt wird, und ein Gießereikran im Dreischichtbetrieb können selbst bei identischem Drehmoment nicht dasselbe Getriebe verwenden. Im zweiten Fall sind Zahnräder, Lager und Öl einer wesentlich höheren Ermüdungsbelastung ausgesetzt.
Auch die Schalthäufigkeit ist entscheidend. Bei jedem Start erhalten die Zahnflanken einen plötzlichen Drehmomentstoß, und bei jedem Stopp erzeugt die Bremse Wärme. Summieren sich diese Belastungen in einem System mit mehr als hundert Schaltungen pro Stunde, kann ein auf dem Papier ausreichend dimensioniertes Getriebe deutlich früher ermüden als erwartet.
An diesem Punkt wird das Wärmemanagement wichtig. In kontinuierlich betriebenen Systemen mit hoher Übersetzung kann die Öltemperatur so weit ansteigen, dass die Tragfähigkeit des Ölfilms sinkt. In diesem Fall wird entweder eine größere Gehäusebaugröße gewählt oder die Öltemperatur durch externe Kühlung begrenzt.
Einfluss von Bremsen, Rücklaufsperren und Sicherheitseinrichtungen auf die Auswahl
Beim Heben darf die Last nicht zurücklaufen. Deshalb wird das Getriebe nicht isoliert betrachtet; die elektromagnetische Motorbremse, gegebenenfalls eine zweite Sicherheitsbremse und eine Rücklaufsperre werden gemeinsam ausgelegt. Bremsen und Rücklaufsperren können auch die Abmessungen von Welle und Gehäuse des Getriebes beeinflussen.
Das Bremsmoment wird oberhalb des zum Halten der Last erforderlichen Werts gewählt; ein übermäßig hohes Bremsmoment kann jedoch zu hartem Abbremsen und unnötigen Stoßbelastungen der Zahnräder führen. Der richtige Ansatz besteht darin, Hubmoment und Bremsmoment in einem sinnvollen Verhältnis zueinander festzulegen.
Bei Kran- und Katzfahrt dient die Bremse hauptsächlich der Positionierung. Gefordert ist hier nicht ein hohes Haltemoment, sondern ein reproduzierbares und sanftes Anhalten. Wird dieser Unterschied übersehen, entstehen praktische Probleme, etwa wenn für alle drei Bewegungen derselbe Bremsentyp verwendet wird.
Montageposition, Anschlussart und Eignung für den Einsatzort
Die Schmierung des Getriebes wird entsprechend der Montageposition ausgelegt. Wird ein für horizontalen Betrieb vorgesehenes Gehäuse vertikal eingesetzt, kann der Ölstand die oberen Lager nicht erreichen und innerhalb kurzer Zeit Schäden verursachen. Daher muss die Montageposition bereits bei der Bestellung eindeutig angegeben werden.
Auch die Anschlussart hängt vom Projekt ab. Hohlwellenlösungen, die direkt auf die Trommelwelle montiert werden, sparen Bauraum, während Flanschverbindungen eine steifere Konstruktion bieten. Bei Katz- und Kranfahranwendungen ermöglichen Aufsteckgetriebe häufig eine praktischere Montage.
Fehlausrichtung ist eine unsichtbare Ursache vieler Kranausfälle. Bereits wenige Zehntelmillimeter Achsversatz können bei hohem Drehmoment zu erheblichen Radialkräften führen. Die Einhaltung der Grundsätze für Montage und Ausrichtung bei der Installation verlängert die Lebensdauer des Getriebes unmittelbar.
Wartungsplan und Maßnahmen für eine Lange Lebensdauer
Die Wartung von Kran Getrieben ist dann wirksam, wenn sie planmäßig und nicht erst nach einer Störung erfolgt. Die folgenden Maßnahmen machen in der Praxis den größten Unterschied:
- Den ersten Ölwechsel innerhalb der ersten 500 Betriebsstunden durchführen und das Altöl auf Metallpartikel prüfen.
- Ölstand und Ölfarbe regelmäßig kontrollieren und dunkel gewordenes Öl rechtzeitig wechseln.
- Die Gehäusetemperatur überwachen; einen Anstieg über den Normalwert als Hinweis auf ein Schmierungs- oder Lastproblem betrachten.
- Dichtungen und Dichtelemente bei jeder Wartung visuell kontrollieren.
- Bremsverschleiß messen und die Einstellung entsprechend der Einsatzklasse planen.
- Änderungen von Vibration und Geräusch dokumentieren und bei plötzlichen Veränderungen den Betrieb unter Last stoppen.
Die meisten dieser Kontrollen dauern weniger als fünfzehn Minuten, ihre Kosten sind jedoch im Vergleich zu einem ungeplanten Stillstand verschwindend gering.
Der Kurze Weg zum Richtigen Getriebe
Zusammengefasst ist die Getriebeauswahl für Kran- und Hebesysteme ein ganzheitlicher Prozess, der mit der Drehmomentberechnung beginnt und mit Einsatzklasse, Bremsausrüstung und Montagebedingungen vervollständigt wird. Die getrennte Bewertung von Hubwerk, Kranfahrt und Katzfahrt senkt sowohl Investitionskosten als auch Ausfallrisiko deutlich.
Bei Remak Redüktör bestimmen wir für Krananwendungen auf Basis Ihrer Last-, Geschwindigkeits- und Einsatzklassendaten die passende Baureihe und Übersetzung und fertigen projektspezifische Gehäuse- und Anschlusslösungen. Weitere Details zur Auswahllogik finden Sie auf unserer Seite Getriebeauswahl ; anwendungsspezifische Lösungen finden Sie auf unserer Seite Kransysteme , und zur direkten Bewertung Ihres Projekts mit unserem Engineering-Team können Sie unser Kontakt formular verwenden.
Häufig Gestellte Fragen zu Getrieben für Kran- und Hebesysteme
Worauf ist bei der Verwendung eines Frequenzumrichters (Antrieb / VFD) mit Kran Getrieben zu achten?
Bei frequenzumrichtergeregelten Systemen kann bei niedrigen Frequenzen (niedriger Drehzahl) die Schmierstoffzirkulation im Getriebe abnehmen und die Motorkühlung unzureichend werden. Deshalb sollten bei umrichtergeregelten Kranen fremdbelüftete Motoren eingesetzt und die Getriebeschmierung für den Betrieb bei niedriger Drehzahl ausgelegt werden.
Welche Vorteile bietet ein geschlossenes Kran Getriebe gegenüber offenen Zahnradantrieben beim Trommelantrieb?
Geschlossene Getriebe schützen die Zahnräder vor Staub, Feuchtigkeit und abrasiven äußeren Einflüssen. Durch den kontinuierlichen Betrieb im Ölbad wird der Verschleiß minimiert, der Wartungsbedarf sinkt und Arbeitssicherheit sowie Lebensdauer steigen gegenüber offenen Verzahnungen erheblich.
Wie sollte ein Getriebe für Krane in Häfen, Werften oder ATEX-Bereichen (explosionsgefährdet) ausgewählt werden?
Für Außen- und Meeresumgebungen sollten Epoxidbeschichtungen der Korrosionsklasse C4/C5, doppellippige Viton-Dichtungen und Edelstahl-Entlüftungsstopfen eingesetzt werden. In explosions- oder brandgefährdeten Bereichen muss das Getriebe über ein ATEX-zertifiziertes Gehäuse- und Dichtungskonzept verfügen, das keine Funken oder statische Elektrizität erzeugt.
Warum sind Hohlwellengetriebe für die Verbindung mit Krantrommeln so beliebt?
Hohlwellengetriebe werden direkt auf die Trommelwelle gesteckt und mit einer Drehmomentstütze fixiert. Dadurch entfallen externe Kupplungen und lange Grundrahmen, auf der Katze wird erheblich Bauraum eingespart und mechanische Spannungen durch axiale Ausrichtungsfehler werden vermieden.
Wann wird der Einsatz von Synthetiköl (PAO/PAG) in Kran Getrieben erforderlich?
Synthetiköl wird bei Außenanwendungen mit extremen Temperaturunterschieden (unter -20°C oder über +50°C), bei Gießereikranen mit hoher Einsatzklasse (FEM 3m/4m oder M7/M8) sowie in schwer zugänglichen Anwendungen erforderlich, bei denen verlängerte Ölwechselintervalle gewünscht sind.